Momo und die Blumen des Koran – Mohammed Ibrahim von AYNOUNA schreibt für uns

Kristina und Mohammed Ibrahim von Aynouna haben sich vor zweieinhalb Jahren auf einem gemeinsamen Stipendiatenseminar kennengelernt. Mohammed ist einer der beiden Vorsitzenden des Vereins, der unser Projekt unterstützt.

„Monsieur Ibrahim war schon immer alt“, dieser Satz steht ganz unscheinbar irgendwo im ersten Drittel des bekannten Bändchens von Éric-Emmanuel Schmitt. Er trifft ins Herz, wenn man den jungen Medizinstudenten aus Hannover kennt. Und doch ist es nur die halbe Wahrheit. Mohammed Ibrahim ist ein Mensch, der Ambivalenz verkörpert wie wenige andere. Er ist Greis und er ist Kind. Die erste nachwirkende Begegnung, an die Kristina sich erinnert, war der zweite Abend während des Seminars: Die beiden saßen zusammen und spielten. In kindlichem Eifer bekämpften sie sich in Stadt, Land, Fluss, bis der Morgen anbrach. Alle anderen hatten längst aufgegeben. Mohammed ist ehrgeizig, begabt, lustig. Er denkt schnell. Er urteilt langsam, aber entschieden.

Von seinen Freunden wird Mohammed Momo genannt. Kristina nennt ihn Momo, weil er sie an die Protagonistin ihres Lieblingsbuchs erinnert. Mohammed ist ein feiner Beobachter und er kann zuhören. In diesem Frühjahr haben Momos und Kristinas Wege sich zum zweiten Mal gekreuzt. Kristina begleitete vier Vereinsmitglieder nach Jordanien, um sich die Arbeit der deutschen Studenten vor Ort anzusehen.

Mohammed Ibrahim hat einen Text für unser Buch verfasst. Darin tut er, was er am besten kann: Er setzt sich mit sich selbst auseinander, mit der Frage, wer er sein will und wer er sein kann. Dabei orientiert er sich an Menschen, die Geflüchteten in ihrer Herkunftsregion helfen: in Jordanien, wo Aynouna arbeitet, in Momos zweiter Heimat Libanon, und in der Türkei, wo er gerade lebt.

Kristina hat Momo geradezu gedrängt, endlich Michael Endes Buch zu lesen. Und der Text, den er uns eingereicht hat, endet mit einem Zitat aus diesem Buch:

Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur recht wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.

Mohammed Ibrahim, der neben seinem Medizinstudium ein paar Semester in Philosophie eingeschrieben war, um anders denken zu lernen, wohnt jetzt eine Weile in Istanbul.

Danke, Momo, dass Du neben Türkisch-Lernen und Klausurenphase für uns geschrieben hast.