Die Liste, unser Plan, das Buch

Die Liste

Das europaweite Netzwerk UNITED for Intercultural Action mit Sitz in Amsterdam führt die Liste der belegten Fälle der auf der Flucht nach und in Europa gestorbenen Menschen seit 1993 unter dem Titel der „Asylsuchenden, Geflüchteten und Migrant*innen, die aufgrund der restriktiven Politik der Festung Europa zu Tode kamen“. UNITED besteht aus 550 Organisationen aus 48 europäischen Ländern – die Unterstützung dieser Organisationen macht es möglich, die Liste weiterzuführen. Wesentlich zur Sichtbarmachung und Veröffentlichung der Liste trägt seit 2007 die türkische Künstlerin Banu Cennetoğlu bei. Sie hat die Veröffentlichung der deutschen Ausgabe beim Berliner Tagesspiel 2017 und der englischen Ausgabe beim britischen Guardian 2018 angeregt und möglich gemacht. Und sie hat die Liste in viele Städten Europas, zuletzt in Liverpool während der Biennale für Zeitgenössische Kunst, plakatieren lassen.

Der Plan

In den vergangenen 25 Jahren sind mehr als 35.000 Menschen auf der Flucht nach und in Europa ums Leben gekommen.

Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2018 wollten wir die Liste der Toten (die belegten Fälle) erstmals in Buchform herausgeben. Die meisten Toten sind ohne Namen verzeichnet. Überlebende haben uns einige Namen genannt, die wir einfügten. Wir wollten die Menschen, die sie waren, dem Vergessen entreißen, um das Ausmaß dieser Tragödie besser zu fassen zu bekommen – und der Debatte um Flucht und Tod wieder ein menschliches Antlitz zu geben.

Die mehr als 300 Buchseiten umfassende Liste wurde um kurze Porträts von einigen der Gestorbenen, Berichten von Überlebenden sowie Beiträgen von Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Rolf Gössner, Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte, Stephan Lessenich, Professor für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, Bernd Mesovic, Pro Asyl, und anderen ergänzt.

Die Initiatorinnen:

Kristina Milz, Jahrgang 1988, ist freie Journalistin und Historikerin. Sie lebt und schreibt zwischen München, Berlin und Nahost. Für ihre Arbeiten erhielt sie Preise und Stipendien.

Anja Tuckermann, geboren 1961, ist Autorin von Romanen, Erzählungen, Theaterstücken, Libretti und Bilderbüchern. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in 13 Sprachen übersetzt.

Der Hirnkost Verlag wurde 2003 vom Archiv der Jugendkulturen gegründet und ist heute noch im Besitz von Vereinsmitgliedern, Autor*innen und der Stiftung Respekt!. Seine Publikationsschwerpunkte sind neben Jugend- und Subkulturen die Themen Migration und Flucht.

Das Buch

Das Buch sollte in einer Startauflage von mindestens 10.000 Exemplaren gedruckt und am 10. Dezember 2018 von Verbänden, Initiativen und Projekten, aber auch im Buchhandel kostenlos verteilt werden, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

Zur Unterstützung des Projekts haben wir eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Ihr Erfolg ermöglichte den Erstdruck unseres Buchs und die kostenlose Verteilung am Tag der Menschenrechte. 2019 ist bereits die zweite Auflage erschienen:

Kristina Milz + Anja Tuckermann (Hrsg.):
Todesursache: Flucht.
Eine unvollständige Liste

Hirnkost 2019

ISBNs:

978-3-947380-32-9 print
978-3-947380-33-6 epub
978-3-947380-34-3 pdf

496 Seiten,
Format 13,5 x 20,5,
gebunden mit Lesebändchen, zweifarbig,

10 Euro

Unsere Botschaft

Anstatt uns von rechts und links anzuschreien, müssen wir in einen Dialog treten, um in unserer Gesellschaft mit unseren unterschiedlichen Meinungen friedlich zusammenleben zu können. Wir können und müssen über vieles reden, aber wir müssen dies in einer Sprache tun, die die Würde aller Beteiligten achtet. Ein echter Dialog funktioniert nur, wenn alle eine respektvolle Sprache verwenden. Menschen sind Menschen, als nichts anderes kann man sie bezeichnen. Wir müssen füreinander Verständnis aufbringen und alles dafür tun, dass unsere Gesellschaft das bleibt, wofür wir sie schätzen: Ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Freiheit, mit dem alle leben können.

Wir müssen uns offenbar wieder darauf einigen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Das gilt für jeden Menschen. Und die Menschenrechte sind nicht verhandelbar. Schutzbedürftige Menschen müssen geschützt werden, das gilt universell. Menschen in Lebensgefahr müssen gerettet werden. Wenn die Alternative zur Rettung von sterbenden Menschen deren Tod bedeutet, ist es keine Alternative, über die wir diskutieren dürfen. Der Rechtsstaat muss berechenbar und verlässlich sein. Recht darf nicht umgangen oder gebeugt werden.

Nur, wenn wir diese Grundsätze achten, können wir in einen konstruktiven Dialog treten und in der Frage weiterkommen, wie unser Zusammenleben gelingen kann. Was müssen wir dafür tun, was können wir dafür einfordern?

Unser Ziel

Wir wollen, dass die Debatte um Flucht und Migration wieder mit Respekt vor den betroffenen Menschen und mit ihnen geführt wird.

Wir wollen, dass endlich wieder über die wesentlichen Dinge, die unser Zusammenleben in diesem Land weiterbringen, gesprochen wird.

Wir wollen eine deutschland-, besser noch eine europaweite Diskussion anregen.

Wir wollen alle Organisationen und Initiativen in den Dialog einbinden, die sich für Menschenrechte stark machen. Wir wollen alle Konfessionen und Religionen mit einbinden. Wir wollen Parteipolitik raushalten.